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Marktstimmung: "Nicht nur eine Delle"

Trotz des anhaltenden Pessimismus hiesiger mittelfristig orientierter Anleger schwimmen deutschen Aktienpreisen langsam die Fälle weg. Andere Akteure könnten die Strömungsrichtung bestimmen.

23. Mai 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eigentlich hätte man damit rechnen können, dass der DAX schon längst einen deutlicheren Rückschlag hätte hinnehmen müssen. Denn in Anbetracht des neuen Regierungsbündnisses zwischen der Lega Nord und der Fünf-Sterne-Partei in Italien wäre es kaum verwunderlich, wenn sich nun auch hierzulande eine deutliche Risikoaversion bei den Investoren breit machen würde. Zwar scheinen die Bestrebungen der kommenden neuen Regierung Italiens, bei der Europäischen Zentralbank einen Schuldenerlass von 250 Milliarden Euro zu erwirken, vom Tisch; zumindest steht davon nichts mehr in der Koalitionsvereinbarung. Dennoch: Auch eine zurückgezogene Ansage bleibt als Anker - und sei er noch so unsinnig - in den Köpfen der Investoren stecken. Zumal die neue Regierung allerhand teure Vorhaben plant. Sei es, dass ein allgemein gültiger Steuersatz von 15 Prozent eingeführt werden, die Pensionsreform überarbeitet und ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden sollen: Die Frage, wo das Geld für die Wohltaten herkommen soll, bleibt unbeantwortet.

Auch gaben die heute publizierten Einkaufsmanager-Indizes für die Eurozone, die erneut durch die Bank enttäuschten, eigentlich keinen Anlass zu verstärktem Optimismus. Denn es sieht danach aus, als ob sich der zurückhaltende Unterton beim Euroland-Wachstum im ersten Quartal nun auch im zweite Quartal fortsetzen würde. Die Hoffnung, dass es sich dabei nur um eine Wachstumsdelle gehandelt habe, wäre dann wohl dahin.

Dennoch: Die Stimmung der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Anlegern hat sich gegenüber der Vorwoche sogar leicht verbessert. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index stieg um 2 Punkte auf einen Stand von -11 Punkte. Diese marginale Veränderung speist sich fast ausschließlich aus der Gruppe vormals neutral eingestellter Akteure. Dabei ist interessant, dass diese Käufe in einem steigenden Markt vorgenommen wurden, denn seit unserer vergangenen Erhebung war der DAX praktisch nicht günstiger zu haben und hatte sich bis gestern sogar um mehr als 1,8 Prozent befestigt. Davon bleibt heute stichtagsbezogen nichts mehr übrig.

Risikofreude statt -aversion

Bei den Privatanlegern gab es eine ähnliche Entwicklung, die jedoch wesentlich deutlicher als bei den institutionellen Pendants ausfiel. Der Optimismus kletterte nämlich gegenüber der Vorwoche um 14 Punkte aufwärts in den positiven Bereich, so dass der Börse Frankfurt Sentiment-Index nunmehr einen Stand von +7 ausweist. Das Bullenlager setzt sich im Verhältnis 60 zu 40 aus ehemals neutral bzw. pessimistisch gestimmten Akteuren zusammen. Letztere haben offensichtlich, ebenfalls in den steigenden Markt hinein, die Notbremse gezogen. Wir gehen davon aus, dass dieser Stimmungswechsel zum Positiven vor dem heutigen Kurseinbruch des DAX stattgefunden hat. Natürlich gab es dafür zumindest ein gutes Argument. Denn China hat zu Wochenbeginn angekündigt, man werde die Einfuhrzölle auf Kraftfahrzeuge auf 15 Prozent senken, wovon vor allen Dingen deutsche Luxusmarken profitieren würden.

Allerdings hat sich die Stimmungs-Diskrepanz zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren wieder deutlich vergrößert. Erstere zeigen sich nun wieder leicht optimistisch, aber auf Monatssicht keinesfalls bullisher. Und in der Betrachtung auf sechs Monate muss man immer noch von einem relativen Pessimismus sprechen, was auch für die institutionellen Marktteilnehmer gilt. Bei Letzteren fällt übrigens auf, dass das Bärenlager ausgesprochen robust ist. Allerdings haben sich die erhofften Kursverluste des DAX bislang nicht wirklich eingestellt, weswegen mit Rückkäufen durch diese Akteure wahrscheinlich erst bei einem Niveau zwischen 12.600 und 12.650 Zählern zu rechnen ist. Diese zu erwartende Nachfrage auf niedrigerem Niveau würde dem DAX per se eigentlich positive Aussichten bescheren. Allerdings ist gut vorstellbar - der schwache Euro spricht dafür - dass zunehmend ausländisches Kapital aus der Eurozone abgezogen werden könnte, weswegen unser Ausblick für den DAX nicht mehr so positiv wie in der Vorwoche ausfällt.

23. Mai 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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