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Anleihen: Fuß vom Gas

Ob mit der Reduzierung der EZB-Anleihekäufe das Ende der expansiven Geldpolitik eingeläutet wird, ist umstritten. Für die USA wird für den Dezember mit einem weiteren Zinsschritt gerechnet.

27. Oktober 2017. (FRANKFURT) Börse Frankfurt. Dass die EZB auf ihrer Sitzung am gestrigen Donnerstag die Halbierung der monatlichen Anleihekäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro angekündigt hat, war so erwartet worden. Überrascht hat allerdings, dass immer noch kein Termin für ein Ende des Kaufprogramm genannt wurde.

Die Renditen von Staatsanleihen aus dem Euroraum gaben daher nach den EZB-Verlautbarungen nach. Zehnjährige Bundesanleihen werfen am Freitagmittag wieder nur 0,40 Prozent ab, vor der Sitzung waren es 0,48 Prozent. Der Euro Bund Future lag am Mittwoch noch bei 161,04 Punkten, aktuell sind es 162,16 Zähler.

Wende oder keine Wende?

Die Commerzbank spricht von "Beruhigungspillen", die EZB-Chef Draghi verteilt habe. "Er hat auf der Pressekonferenz alles getan, dass das Zurückfahren der Käufe nicht als ein Ende der lockeren Geldpolitik erscheint", bemerkt Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die EZB halte sich sogar weiter die Option offen, das Kaufvolumen zu erhöhen, obwohl sie der Obergrenze von 33 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen immer näher komme. "Leider wird der Euroraum noch lange mit einem negativen EZB-Einlagesatz leben müssen."

Andere sehen die Entscheidung positiver: "Der Rating-Agentur Fitch zufolge signalisiert die Ankündigung der EZB keine unbegrenzte Ausweitung der quantitativen Lockerung in der Eurozone", berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Fitch gehe davon aus, dass die Käufe 2018 enden werden.

US-Zinserhöhungstempo unterschätzt

Schon in der kommenden Woche steht eine Sitzung der US-Notenbank an. "Wir erwarten, dass der Offenmarktausschuss der Federal Reserve die Leitzinsen unverändert lassen wird", erklärt Franck Dixmier von Allianz Global Investors. Es sei jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Fed die Leitzinsen in ihrer Dezember-Sitzung um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird. "Insgesamt scheint der Markt die potenziellen Zinsanhebungen der Fed im Jahr 2018 zu unterschätzen." Dixmier wäre nicht überrascht, wenn die Fed 2018 zwei- oder gar dreimal die Zinsen erhöhen würde.

Spekulationen um neue Fed-Spitze

Die US-Renditen sind zuletzt wieder gestiegen und haben den höchsten Stand seit März erreicht - laut Marius Schad von der HSH Nordbank vor allem wegen der guten US-Konjunkturlage. "Die Renditen könnten sich unter einem neuen Fed-Chairman John Taylor noch schneller erhöhen", bemerkt Schad. Eine Orientierung der US-Geldpolitik auf die auf ihn zurückgehende "Taylor-Rule" würde nämlich mit einem erheblich höheren Zinsniveau einhergehen. Favorit im Rennen um den Chefsessel bleibe aber Fed-Gouverneur Jerome Powell, der für einen langsameren Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik stehe. Janet Yellen soll angeblich, wie es gestern hieß, nicht für eine zweite Amtszeit als Fed-Chefin nominiert werden.

Südafrikas Bonds unter Druck

Auf ein Neunmonatshoch kletterten Bloomberg zufolge die Renditen südafrikanischer Benchmark-Staatsanleihen, nachdem Finanzminister Malusi Gigaba angekündigt hatte, zusätzliche Bonds in lokaler Währung im Wert von 122 Milliarden Rand (7,4 Milliarden Euro) ausgeben zu wollen. Damit will Gigaba Löcher im Haushalt stopfen. Auch der Rand gab bereits deutlich nach. Sollten die Anleihen Südafrikas auf "Junk"-Status zurückgestuft werden und aus dem World Government Bond Index fliegen, könnte es nach Ansicht von JP Morgan Chase noch viel schlimmer kommen. Auswirkungen auf die hiesigen Anleihen in der südafrikanischen Währung sieht Daniel bislang aber noch nicht.

Zurückhaltung bei langlaufender Nestlé-Anleihe

Neues gibt es von Nestlé, die Finanzierungstochter Nestlé Finance sammelte 2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt mittels drei Anleihen ein. Die erste (WKN A19RCA) läuft bis Januar 2024, der Kupon liegt bei 0,375 Prozent, die zweite (WKN A19RCB) bis November 2029, der Kupon beträgt 1,25 Prozent. "Für Privatanleger könnten die Bonds aufgrund der privatanlegerfreundlichen Mindeststückelung interessant sein", meint Klaus Stopp von der Baader Bank. Die dritte Anleihe (WKN A19RCC) hat eine Laufzeit bis 2037 und bietet 1,75 Prozent. "Angesichts der langen Laufzeit und eventuell wieder steigender Zinsen hält sich die Nachfrage aber in Grenzen", stellt Daniel fest.

Aufgrund großer Nachfrage schon am ersten Tag der Zeichnungsfrist - am Montag dieser Woche - geschlossen, wurde das Orderbuch für die neue Anleihe des Projektentwicklers und Bauträgers Euroboden. Diese bietet 6 Prozent und läuft bis November 2022. Per Erscheinen ist die Anleihe bereits im Handel an der Börse Frankfurt, Emissions- und Valutatag bleiben der 10. November.

von: Anna-Maria Borse 27. Oktober 2017, © Deutsche Börse AG

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