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zurück  drucken  vor  15.11.2017 14:53:09 226 Datensätze gefunden
Marktstimmung: "Jahresschlussrallye nur ein Wintermärchen?"

Anleger nehmen Gewinne aus den Short-Positionen mit und kaufen Aktien mit den Erwartungen auf Rekordniveau. Die Preise drücken also andere und das ist kein gutes Zeichen.

15. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es ist nicht einmal zwei Wochen her, da sprach man vielerorts hinsichtlich der Börsenentwicklung von einer vorgezogenen Jahresendrallye der Aktienmärkte. Betrachtet man überdies die Entwicklung der jüngsten ökonomischen Daten, etwa die noch einmal besser als erwartet ausgefallenen Wachstumszahlen in Deutschland für das dritte Quartal, wäre zumindest ein fundamentaler Grund gegeben, tatsächlich optimistisch zu sein. Doch war für viele Akteure eine ordentliche Abwärtskorrektur längst überfällig, und viele Anleger hatten sich sogar entsprechend positioniert. Dass sich daraus allerdings zum Zeitpunkt der heutigen Stimmungserhebung (gerechnet vom Allzeithoch am 7. November ein Verlust von über 4 Prozent entwickeln würde, während etwa der breitgestreute US-Aktienindex S&P 500 bis gestern nicht einmal 1 Prozent an Wert eingebüßt hatte, ist indes vielerorts nicht ganz einfach nachzuvollziehen.

Immerhin hatten viele der von uns allwöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Anleger eine Korrektur des Aktienindex am vergangenen Mittwoch vorweggenommen, weswegen der Börse Frankfurt Sentiment-Index seinerzeit auf +/-0 gefallen war. Dies hat sich nun mit der heutigen Erhebung grundlegend geändert, denn der Börse Frankfurt Sentiment Index ist wie Phönix aus der Asche auf einen Stand von +35 Punkte hochgeschnellt und liegt damit auf dem höchsten Stand des Jahres - zuletzt hatten wir einen höheren Indexstand am 7. Dezember 2016 notiert. Müßig zu sagen, dass viele institutionelle Investoren den Kursrückgang des DAX in großem Stil zu Rückkäufen genutzt haben, denn endlich dürfte sich für viele Akteure ein nennenswertes, "relativ" günstiges Einstiegsniveau in diesem Jahr geboten haben. Fast ein Fünftel aller Befragten hat nämlich das Bärenlager verlassen und über 80 Prozent dieser Gruppe hat sich direkt auf die Bullenseite begeben.

Fragwürdiges Schnäppchen

Die Privatanleger, die sich während der vergangenen Wochen vielfach etwas optimistischer als ihre institutionellen Pendants gezeigt hatten, haben sich ganz ähnlich verhalten, sind aber doch deutlich zurückhaltender geblieben. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels hat sich nämlich nur um 13 Punkte auf einen Stand von +30 Punkte erhöht und liegt damit noch unter dem bisherigen Jahreshoch von vor 14 Tagen (+36).

Letztlich haben sich die von uns befragten Börsianer also im Großen und Ganzen so verhalten, wie wir es zuletzt erwartet hatten, und dürften wahrscheinlich kurz unter der 13.000er Marke in einer Art Schnäppchenkauf als Nachfrager aufgetreten sein. Allerdings hat sich das Börsenbarometer trotz dieser Engagements seither nicht nennenswert befestigt. Auch scheint auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet der DAX (auch der Euro Stoxx 50!) im Gegensatz zu den US-Märkten so stark Federn lassen musste.

Eine Antwort darauf könnte die gestern veröffentlichte BofA Merrill Lynch-Umfrage unter internationalen Fondsmanagern geben. So hatte diese Erhebung, die im Zeitraum zwischen dem 3. und 9. November durchgeführt wurde, ergeben, dass die Fondsverantwortlichen ihre Übergewichtung an Aktien der Eurozone gegenüber dem Vormonat von netto 56 Prozent auf einen Saldo von nur noch 49 Prozent verringert haben.

Mit anderen Worten: Per Saldo stehen den heimischen Aktienkäufern internationale Kapitalabflüsse gegenüber - eine Kombination, die uns zu denken gibt. Damit ist das Risiko, dass, was jetzt noch als Schnäppchen erscheint, sich später als zu teuer herausstellen könnte, relativ hoch. Zumindest werden Erholungen des Börsenbarometers durch spätere Abgaben der heutigen Käufer begrenzt, sobald diese wieder ihre Einstandspreise nach der Verlustphase sehen. Sollte der DAX durch Kapitalabflüsse weiter unter Druck geraten, stünde zumindest seit der heutigen Ergebung nicht genügend Nachfrage zur Verfügung, um diese aufzufangen. So scheint die Gefahr nicht unerheblich, dass die von vielen beschworene Jahresschlussrallye zumindest in diesem Jahr ausbleiben könnte.

15. November 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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