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Marktstimmung: "Ein Strauß an Befürchtungen"

Die institutionellen Anleger wagen immer noch keinen Kauf in die Schwäche. Immerhin sind die Privatanleger aktiver geworden und haben den zeitweise um mehr als 2 Prozent gefallenen DAX zum Einstieg genutzt.

12. September 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit unserer vergangenen Stimmungserhebung mag politisch, sofern es die Börse anging, vieles im Unklaren geblieben sein. So sind die von den USA angekündigten Strafzölle auf chinesische Importe in einem zusätzlichen Volumen von 200 Mrd. Dollar bislang noch nicht zur Anwendung gekommen, aber schon ist von weiteren zu besteuernden Importen in Höhe von noch einmal 256 Mrd. Dollar die Rede. Beide Zahlen sind übrigens keineswegs neu. Aber immer wieder heißt es, der schwelende Handelskonflikt würde die Börsen belasten. Positives wird hingegen ausgeblendet. So ist der deutliche Rückgang der Renditen italienischer Staatsanleihen - deren Anstieg seit Mitte Juli bis zum Jahreshoch Ende August hat sich innerhalb von nicht einmal zwei Wochen wieder um mehr als die Hälfte reduziert - von den Börsianern hierzulande kaum wahrgenommen, geschweige denn in Form von Transaktionen umgesetzt worden. Auf der anderen Seite könnte man natürlich noch die Zahl der "Befürchtungen" hochschrauben, wenn man etwa den jüngsten US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag wegen der Entwicklung der Löhne als Treiber für weitere Zinserhöhungen jenseits des Atlantiks interpretiert. Und wenn man weiterdenkt, muss man unweigerlich auf die Märkte der Schwellenländer blicken, die ebenfalls nichts Gutes verheißen. Fehlen eigentlich nur noch die technischen Analysten, die angesichts einer drohenden großen Umkehrformation für den DAX vom Schlimmsten ausgehen. Mit anderen Worten: Negative Informationen haben deutliches Übergewicht.

So gesehen grenzt es fast schon an ein Wunder, dass sich trotz des neuerlichen Rückgangs des Börsenbarometers um zeitweise 2,1 Prozent seit der vergangenen Sentiment-Erhebung die Stimmung nicht noch weiter verschlechtert hat. Vielleicht auch mangels guter Verkaufsgelegenheiten ist unser Börse Frankfurt Sentiment-Index unter den institutionellen mittelfristig orientierten Akteuren gegenüber der Vorwoche gerade einmal um zwei Punkte auf einen Stand von +3 gestiegen. Und zwar fast ausschließlich aufgrund einer gesunkenen Polarisierung zwischen Bullen und Bären - Letztere waren wegen möglicher Gewinnmitnahmen im fallenden Markt ein bisschen aktiver geworden.

Die mutigen 5 Prozent

Wesentlich mutiger präsentierten sich dagegen die Privatanleger, bei denen sich immerhin 5 Prozent aller Befragten vom Bärenlager überwiegend direkt auf die Bullen-Seite schlugen. Deswegen ist der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels um 9 Punkte auf einen Stand von +12 gestiegen. Diese relativ aktive Gruppe hat vermutlich nicht aus fundamentalen Beweggründen die Seite gewechselt, sondern vor allem, weil infolge des fallenden DAX Gewinne aufgelaufen waren, die nun realisiert wurden. Und da sich der DAX dem Jahrestief bis auf etwas mehr als ein Prozent angenähert hatte, versuchte sich das Gros dieser wechselwilligen Akteure offenbar mit Käufen in die Schwäche.

Per Saldo hat sich jedoch an der Gesamtlage des DAX gegenüber der Vorwoche wenig geändert. Zwar sind die Privatanleger moderat bullish, dürften sich aber auch relativ schnell wieder von diesen Engagements verabschieden, sofern sich nicht alsbald Gewinne einstellen. Bei den institutionellen Pendants ist indes eine solche Tendenz nicht festzustellen - der Börse Frankfurt Sentiment-Index bleibt mit +3 auch auf Sicht von sechs Monaten neutral. Damit ist zumindest von den heimischen Anlegern kein trendauslösender Impuls für den DAX zu erkennen.

12. September 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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