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Marktstimmung: "Erfolg weckt Risikofreude"

Gegen den Preistrend steigen die Profis in deutsche Bluechips ein, was die bestehende Seitwärtsbewegung festigen sollte.

10. Oktober 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die von den Börsianern während der vergangenen beiden Wochen wahrgenommenen Risiken haben sich zuletzt wieder deutlich erhöht. Zum einen, weil Italiens Haushalt mit einer Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2019 nicht mit den Vorstellungen der EU übereinstimmt.

Und weil Italien auf seinem Standpunkt beharrt und selbst der bis vor kurzem noch gemäßigt wirkende parteilose Finanzminister Giovanni Tria gestern plötzlich harschere Töne anschlug, waren die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen zuletzt auf den höchsten Stand seit mehr als viereinhalb Jahren gestiegen.

Nicht zuletzt, weil ein handfester Streit zwischen Italien und der EU droht. Zum anderen ist wohl vielen Akteuren erst jetzt klar geworden, dass die US-Notenbank mit ihrer Strategie schrittweiser Zinserhöhungen auch im kommenden Jahr fortfahren dürfte.

Auch weil selbst als Zinstauben bekannte Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed mit diesem Kurs, wonach man bis Mitte 2019 mit drei weiteren Zinsschritten gut leben kann, einverstanden scheinen. So gesehen ist es auch kein Wunder, dass die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen zuletzt auf dem höchsten Niveau seit Mai 2011 notierten.

Trotz all dieser Widrigkeiten hat sich die Stimmung der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Marktteilnehmern seit unserer vergangenen Erhebung von vor 14 Tagen wieder deutlich verbessert. Dies kommt in unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index zum Ausdruck, der um satte 38 Punkte auf einen Stand von +28 Punkte gestiegen ist und damit wieder fast das Niveau der Erhebung vor zwei Wochen erreicht hat. Dieser drastische Stimmungswechsel dürfte jedoch weniger einem nachhaltigen Optimismus geschuldet sein. Vielmehr beobachten wir, dass zuletzt knapp ein Fünftel der Teilnehmer dieses Panels die DAX-Entwicklung eigentlich als groß angelegte, nach unten geneigte Seitwärtsbewegung versteht und sich diese seit einigen Wochen mit vermutlich gutem Erfolg zunutze macht.

Und nachdem sich diese recht aktive Gruppe zuletzt auf fallende Börsenkurse eingestellt hatte, wurden die entsprechenden Engagements wahrscheinlich rein aus preislichen Erwägungen - der DAX hat seit unserer vergangenen Erhebung immerhin im Punktvergleich 3,4 Prozent an Wert verloren - zurück gedeckt. Nicht nur das: Aufgrund der seit einigen Wochen erfolgreichen Strategie haben sich fast alle betroffenen Akteure bullish engagiert. Letztlich vor dem Hintergrund, dass die Vermögensverwalter die negative DAX Performance dieses Jahres (rund minus 7,5 Prozent) etwas verbessern möchten.

Privatanleger bleiben zurückhaltend

Dergleichen scheinen Privatanleger indes kaum im Sinn zu haben. So hat sich deren Stimmungsbild konträr zu dem der institutionellen Pendants entwickelt. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieser Gruppe ist um 12 Punkte auf einen Stand von +7 Punkte gefallen. Dabei haben vor allen Dingen zuletzt neutral gestimmte Akteure - begleitet von Gewinnmitnahmen früherer Optimisten - das Bärenlager aufgesucht. Dabei fällt auf, dass 85 Prozent der Befragten durchaus eine dezidierte Meinung zum DAX haben - die Gruppe der neutral eingestellten Börsianer ist nämlich auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen.

Per Saldo ist der Mut einiger institutioneller Marktteilnehmer bemerkenswert und speist sich wahrscheinlich nicht aus fundamentalen Überzeugungen, sondern vor allen Dingen aus dem Erfolg der Transaktionen der Vorwochen, mit denen vielerorts vermutlich ein beachtliches Ertragspolster geschaffen wurde. Mit anderen Worten: Man kann es sich leisten, etwas zu riskieren. Deswegen dürften diese bullishen Akteure gegen überschaubare Kursverluste des DAX, vielleicht bis 11.600 Punkte, relativ immun sein und werden voraussichtlich nicht so schnell die Notbremse ziehen. Und sollte das Börsenbarometer tatsächlich erneut anziehen, ist es das Angebot dieser Investoren, das größere Kurssprünge abfangen wird. Denn die risikofreudigen Optimisten von heute dürften bei erster Gelegenheit ihre Gewinne mitnehmen.

10. Oktober 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

Wenn Sie an der Sentiment-Erhebung teilnehmen möchten, senden Sie eine E-Mail an: sentiment@deutsche-boerse.com

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