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Marktstimmung: "Zweckoptimismus"

Der jüngste Rückgang des DAX ist zumindest für etliche Privatanleger zu bedrohlich geworden, weshalb eine größere Gruppe unter ihnen das Handtuch geworfen hat. Die institutionellen Investoren scheinen indes durchhalten zu wollen.

21. November 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit Italien seinen überarbeiteten Haushaltsentwurf bei der EU eingereicht hat, hatten Finanzmarktteilnehmer daraus resultierende mögliche Probleme und Konflikte weitgehend ausgeblendet. Doch seit Wochenbeginn ist das umstrittene Budget Italiens wieder in den Brennpunkt des Interesses der Marktteilnehmer gerückt, weil heute, kurz nach Schluss der Sentiment-Erhebung, die Reaktion der EU-Kommission auf die unverändert harte Haltung Italiens erwartet wurde. Haupt-Streitpunkt: Die nicht den EU-Regeln entsprechende Neuverschuldung Italiens in Höhe von 2,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts für 2019. Aber als ob das nicht schon genug wäre, kommt auch noch Ungemach aus den USA hinzu. Zum einen in Gestalt deutlicher Kurseinbrüche am dortigen Aktienmarkt. Zum anderen aber auch, weil mit einem Male Zweifel hinsichtlich des globalen Wachstums aufgekommen sind und auch die Prognosen zum Bruttoinlandsprodukt der USA für das vierte Quartal 2018 zurückgenommen wurden. Kein Wunder, dass sich viele Börsianer fragen, ob die US-Notenbank mit ihrem Plan einer schrittweisen Zinserhöhung mit unverminderter Geschwindigkeit fortfahren oder sich zumindest für eine Pause entscheiden wird.

Dass die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren, die wir allwöchentlich befragen, eine derartige Hoffnung hegen - diesen Eindruck vermittelt zumindest ein erster Blick auf die heutige Stimmungserhebung. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist gegenüber der Vorwoche zwar um 3 Punkte auf einen Stand von +26 gestiegen. Aber wir gehen nicht davon aus, dass die Mehrheit der Befragten aus einer grundsätzlichen Überzeugung heraus optimistisch ist. Vielmehr zeigt sich seit rund vier Wochen, dass ein harter Kern von Börsenbullen - es handelt sich immerhin um etwas mehr als 50 Prozent aller Befragten - mehr oder weniger große Buchverluste hinnehmen musste. Dabei zeigt sich nach der Erhebung der vergangenen Woche, dass es anfangs durchaus die Möglichkeit gegeben hatte, sich im besten Fall bei einem DAX-Stand von 11.566 Zählern von Beständen zu trennen. Allerdings war dieser Zuwachs wie von uns erwartet offenbar nicht groß genug. Betrachtet man die Kursspitzen der einzelnen Handelstage seit vergangenem Mittwoch, sind diese zunächst der Reihe nach immer etwas niedriger ausgefallen. Aber auch die niedrigeren Tagestiefs vermittelten zumindest bis zum Montag den Eindruck, dass sich der DAX zwar im Rückwärtsgang befand, aber man sich deswegen keine allzu großen Sorgen machen müsse.

Teilkapitulation

Diese Sorgen mögen bei den Privatanlegern allerdings zu groß geworden sein. Denn auch dort gab es bereits seit einigen Wochen eine optimistische Mehrheit, die allerdings früher und zu höheren Kursen als ihre institutionellen Pendants als Käufer im Aktienmarkt aufgetreten waren. Zumindest ein Teil dieser Bullen hat nun das Handtuch geworfen, da die Verluste offensichtlich zu groß geworden sind. Dies zeigt sich am Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels, der gegenüber der Vorwoche um 20 Punkte auf einen Stand von nur noch +1 gefallen ist. Dabei haben sich fast 10 Prozent aller Befragten direkt ins Bärenlager begeben.

Während die Privatanleger also mehr oder weniger diszipliniert und teilweise unter Hinnahme von deutlichen Kursverlusten die Notbremse gezogen haben, gilt dies nicht für die institutionellen Investoren. In dieser Gruppe ist nach wie vor mehrheitlich Durchhalten angesagt, so dass sich die Sentiment-technische Lage für den DAX nicht verbessert hat. Im Gegenteil: Die Bullen von heute wären vermutlich froh, die Kursspitzen der Vorwoche zwischen 11.350 und 11.450 Zählern noch einmal wiederzusehen, um sich dann zumindest noch mit einem halbwegs blauen Auge von den schal gewordenen Long-Positionen zu trennen. Damit dürfte aus heutiger Sicht eine Jahresschlussrallye recht überschaubar bleiben. Gleichzeitig ist der DAX an der Unterseite durch die kaum verbesserte heimische Nachfragesituation nach wie vor gefährdet. Zumal auch die internationalen Vermögensverwalter derzeit kein großes Interesse an deutschen Aktien zu haben scheinen.

21. November 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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