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Marktstimmung: "Klares Votum - gekauft und hinzugemischt"

Rekordverdächtiger Optimismus bringt deutsche Aktien wenige Wochen vor Jahresende mächtig in Bedrängnis.

28. November 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Dass die Risiken an den Finanzmärkten seit der vergangenen Woche nicht geringer geworden sind, wurde spätestens gestern deutlich. Erneut hatte US-Präsident Donald Trump in einem Interview gegenüber dem Wall Street Journal damit gedroht, ohne Zögern neue Strafzölle auf Importe aus China in Höhe von 267 Milliarden US-Dollar zu erheben, sofern es beim am Freitag beginnenden G20-Gipfel im Buenos Aires nicht zu einer Einigung im Handelskonflikt mit China kommen sollte. Aber auch Italiens ungelöste Haushaltsprobleme stellen weiterhin ein Risiko für die europäischen Finanzmärkte dar, was aber derzeit von den Akteuren weitgehend ausgeblendet wird. Immerhin will Italien, dem Vernehmen nach, seine ursprünglich geplante Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 2,2 Prozent zurückfahren, was der EU-Kommission vermutlich zu wenig sein dürfte. Vor allem in Hinblick darauf, dass Italien bei besagter Neuverschuldung von einem Wachstum von 1,5 Prozent im kommenden Jahr ausgeht, dürften all diese Rechnungen spätestens dann Makulatur werden, wenn das Bruttoinlandsprodukt Italiens, wie etwa zuletzt von der EU-Kommission prognostiziert, für 2019 nur 1,2 Prozent betragen sollte. In diesem Falle dürfte sich der Grad der Neuverschuldung, der sich in Prozent des BIP bemisst, nämlich drastisch erhöhen.

All diese Sorgen scheinen die von uns wöchentlich befragten institutionellen Marktteilnehmer mit mittelfristigem Handelshorizont derzeit nicht zu teilen. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist quasi durch die Decke geschossen und hat sich um 26 Punkte auf einen Stand von +50 Punkte befestigt - so hoch wie zuletzt am 29. November 2006! Dabei speist sich der Zuwachs bei den Optimisten zu mehr als 80 Prozent aus ehemaligen Pessimisten, die im besten Fall möglicherweise den Rücksetzer unter die Marke von 11.100 DAX-Zählern in der Zwischenzeit dazu genutzt haben, ihre bearishe Einstellung deutlich zu korrigieren. Gut möglich, dass hierbei ein kurzer Blick auf den bisherigen Verlauf des DAX während der vergangenen Wochen entscheidend war. Denn daraus wird zumindest ersichtlich, dass sich das Börsenbarometer bislang nicht unter die 11.000er Marke hat drücken lassen. Und mit zwei Kurstälern auf fast gleichem Niveau - es handelt sich um die lokalen Tiefpunkte vom Oktober und November - könnte man tatsächlich den Eindruck gewinnen, der DAX habe womöglich die tiefsten Kurse des Jahres hinter sich gelassen.

Ungesunder Optimismus

Auch bei den Privatanlegern ergibt sich ein wesentlich positiveres Bild als noch in der Vorwoche. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist aber "nur" um 19 Punkte auf einen Stand von +18 Punkte gestiegen. Mit anderen Worten: Viele der Verkäufer aus der vergangenen Woche haben sich nun als Bullen zurückgemeldet.

Die jüngste Erhebung verdeutlicht zweierlei. Zum einen ist der Anstieg des DAX (im Wochenvergleich handelt es sich um einen Zugewinn von 1,3 Prozent) den bisherigen Bullen nicht groß genug ausgefallen, um sich von bestehenden Engagements zu trennen. Dabei mag auch eine Rolle gespielt haben, dass eben doch noch recht viele Akteure an eine Jahresschlussrallye glauben möchten. Allerdings ist der derzeitige Optimismus nicht nur absolut betrachtet mit einem Börse Frankfurt Sentiment-Index von +50 Punkten nicht nur so hoch wie seit zwölf Jahren. In der relativen Sechs-Monats-Betrachtung handelt es sich sogar um den höchsten Stand seit Beginn unserer Aufzeichnungen im Jahr 2002. Mit anderen Worten: Es ist kräftig gekauft und zu bestehenden Engagements wahrscheinlich auch hinzugemischt worden. Dass ein so hoher Sentiment-Stand für den DAX nicht gesund sein dürfte, muss an dieser Stelle nicht betont werden. Denn bei eventuellen weiteren Kurssteigerungen (in Richtung 12.600) dürften Gewinnmitnahmen zwangsläufig eine Bremse für den DAX bedeuten. Die weitaus größere Gefahr ergibt sich allerdings, falls das Börsenbarometer die bisherigen Jahrestiefs unterlaufen sollte. Denn die verbleibende heimische Nachfrage dürfte in diesem Fall recht dünn ausfallen. Und es ist nicht anzunehmen, dass die Optimisten von heute einer derartigen Entwicklung tatenlos zusehen werden. Sondern wahrscheinlich die Notbremse ziehen werden.

28. November 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

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